Umweltbelastung durch Kreuzfahrten

Umweltbelastung durch Kreuzfahrten

15/01/2020 7 Von Udo

Die Tatsache, dass Kreuzfahrten die Umwelt belasten, wird wohl niemand ernsthaft bestreiten. Auch für uns war das bisher ein immenser Gewissenskonflikt, schließlich achten wir in unserem Leben auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit. Wir sind schon seit vielen Jahren Vegetarier, bauen im Sommer eigenes Obst und Gemüse an und leben in einem EnergiePlus-Haus. Wir werden daher schon mal mit fragenden Augen angeschaut, wenn wir erwähnen, dass wir eine Leidenschaft für Kreuzfahrten haben. Inzwischen haben wir etwas intensiver über das Thema Umweltbelastung durch Kreuzfahrten nachgedacht und recherchiert.

Der Anteil der Kreuzfahrtschiffe…

an der gewerblichen Seefahrt liegt bei unter 1%. Das macht die Umweltbelastung durch Kreuzfahrten nicht besser! Es zeigt aber deutlich, dass das Problem umfassender zu beleuchten ist. Ein ausschließliches verteufeln der Kreuzfahrtschiffe ist zu kurz gedacht. Damit will ich aber nicht sagen, „wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein“, schließlich sind wir inzwischen ALLE von der kommerziellen Schifffahrt abhängig.

Kleidung und Autos aus Asien,…

Soja aus Südamerika und Erze aus Afrika: ohne die kommerzielle Schifffahrt würde unser Leben, wie wir es heute führen nicht funktionieren. Auch unsere Wirtschaft kann nicht darauf verzichten. Es würden uns essentielle Dinge fehlen. Und wenn wir auch möglichst regional, saisonal und nachhaltig einkaufen, auf Bananen, Ananas oder Mangos möchten wir nicht dauerhaft verzichten. Damit wären wir dann wieder bei der kommerziellen Schifffahrt. Das Flugzeug ist schließlich auch keine Alternative für diese Produkte.

Was wäre also die Lösung?

Nun, das liegt ja auf der Hand: die kommerzielle Schifffahrt, also Kreuzfahrtschiffe, Tanker, Frachter, Fähren und Containerschiffe müssen umweltfreundlicher werden. Verzichten können wir nicht auf sie. Und genau das ist der Aspekt, der es uns erlaubt mit gutem Gewissen auf Kreuzfahrt zu gehen. Warum…? Auf keinen anderen Bereich der Schifffahrt hat die Öffentlichkeit einen so intensiven Blick, wie auf die Kreuzfahrtschiffe. Millionen Passagiere sind jedes Jahr an Bord und genießen diese Reisen wie wir. Gleichzeitig machen sich viele dieser Gäste aber auch Sorgen um die Umweltbelastung durch Kreuzfahrten. Ich unterstelle mal, dass dieses Bewusstsein bei den Besatzungen von Tankern und Containerschiffen eher nicht sehr ausgeprägt ist, von den Reedereien ganz zu schweigen.

Neue Lösungen müssen her

Längst haben die Kreuzfahrt-Reedereien erkannt, dass ihre Kunden immer mehr auf die Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit der Branche achten. Daraus wurden die ersten Konsequenzen, vor allem in Deutschland und Europa gezogen. So wurde 2019 mit der AIDA Nova das erste Schiff einer deutschen Reederei in Dienst gestellt, das vollständig mit Flüssiggas fahren könnte. Somit könnte zum größten Teil auf das extrem schädliche Schweröl als Treibstoff verzichtet werden. TUI Cruises hat dieses Konzept für die beiden in Auftrag gegebenen Neubauten ebenfalls in Aussicht gestellt. AIDA hat zudem angekündigt, in diesem Jahr ein Schiff durch die Nachrüstung mit Batterien zum Hybrid-Schiff zu machen. Bei Hurtigruten ist das schon Realität mit der MS Roald Amundsen, dem ersten Hybrid-Expedionsschiff der Welt. Vier weitere Schiffe sollen bis 2021 bei Hurtigruten mit der deutlich umweltfreundlicheren Hybrid-Technologie auf den Meeren unterwegs sein.

Umweltbelastung durch Kreuzfahrten
AIDA geht neue Wege

Landstromanschlüsse

Im Februar 2020 wurde mit der Mein Schiff 4 das erste Flottenmitglied von TUI Cruises mit einem Landstromanschluss ausgestattet. Der Werftaufenthalt in Marseille wurde neben Renovierungsarbeiten auch dafür genutzt, die erforderliche Technik auf dem Schiff zu etablieren. Dafür musste ein eigener Raum im Schiff gebaut werden und eine zusätzliche Öffnung im Schiffsrumpf eingebaut werden, durch die zukünftig das Kabel mit 11.000 Volt ins Schiff gebracht werden kann. TUI Cruises hat angekündigt, bis 2023 alle Schiffe mit einem Landstromanschluss zu versehen. Jetzt müssen nur noch die Häfen nachlegen und den Schiffen diese Stromversorgung auch anbieten. Dann können im Hafen die Verbrennungsmotoren ausgeschaltet werden. Wieder ein Schritt in die richtige Richtung.

Das alles reicht noch nicht…,

ist aber zumindest ein Anfang und zeigt eben sehr deutlich, dass die Kreuzfahrtindustrie eine Vorreiterrolle einnimmt, wenn es um die Entwicklung umweltverträglicherer Alternativen bei Schiffsantrieben und die Energieversorgung im Hafen geht. Für 2021 hat AIDA angekündigt, die AIDA Nova mit einer Brennstoffzelle auszustatten. Die Brennstoffzelle werde mit Wasserstoff betrieben, der aus Methanol gewonnen wird. Methanol könne künftig auch mit regenerativen Energien produziert werden. So böten Brennstoffzellen die Möglichkeit zu einer noch emissionsärmeren Energieversorgung an Bord als dies mit Flüssiggas möglich sei, hieß es bei AIDA. Ich hoffe, dass unsere Lieblingsreederei hier auch bald entsprechende Konzepte vorlegt, damit wir unsere zukünftigen Kreuzfahrten noch entspannter genießen können.

Fazit

Kreuzfahrtschiffe sind zum größten Teil Umweltsünder, wie alle anderen Hochsee- und Binnenschiffe auch. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Der Druck der Kunden führt dazu, dass Kreuzfahrten Schritt für Schritt umweltverträglicher werden. Aber auch gesetzliche Einschränkungen können dazu führen, dass diese Entwicklung forciert wird. So plant Norwegen, dass ab 2026 nur noch emissionsfreie Schiffe die schönsten Fjorde des Landes befahren dürfen. Auch dies könnte dazu führen, dass Kreuzfahrtschiffe in absehbarer Zeit klimaneutral werden könnten. Wir geben diese Hoffnung jedenfalls nicht auf und freuen uns über jeden, der diese Entwicklung mit unterstützt.

PS: In ihrem Beitrag „Digitale Nomaden als Klimasünder – passen Nachhaltigkeit und Reisen zusammen?“ beschäftig sich Anna Hettegger intensiv mit dem Thema Flugreisen und Umwelt. Lesen lohnt sich.

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